Gefahr durch invasive Art: Gepunktete Laternenträgerzikade in Europa nachgewiesen
Mit dem Fund der gepunkteten Laternenträgerzikade (Lycorma delicatula) in Ungarn ist ein meldepflichtiger Quarantäneschädling auf den europäischen Kontinent gelangt. Da die Art in der Europäischen Union und somit auch in Deutschland bekämpfungspflichtig ist, besteht dringender Handlungsbedarf. Im Sommer 2026 wurden an Weinreben in Ungarn Populationen entdeckt, die bereits alle Entwicklungsstadien aufwiesen. Dies deutet darauf hin, dass die Einschleppung bereits seit längerer Zeit im Verborgenen stattgefunden haben könnte.
Einschleppungswege und Risikofaktoren
Das Risiko einer Verschleppung nach Deutschland hat sich laut Dr. Stephanie Feltgen vom Julius Kühn-Institut (JKI) durch weitere Funde, unter anderem in einem Flugzeug in Belgien, signifikant erhöht. Die Verbreitung kann über verschiedene Wege erfolgen:
- Import von Wirtspflanzen und Pflanzenteilen.
- Transport von Rundholz, Holzprodukten und verarbeiteten Holzmaterialien.
- Anhaftung von Eigelegen an glatten Oberflächen, Transportgütern oder Fahrzeugen.
- Rege Warenströme im europäischen Fernverkehr.
Besonders gefährdet sind Industrieanlagen und Fabriken, die Lieferungen aus bereits befallenen Regionen erhalten. Sollte sich der Schädling in Deutschland etablieren, sind vor allem warme Tieflagen mit Weinbaugebieten, urbane Räume sowie verkehrsnahe Korridore betroffen. Ein Hauptgrund hierfür ist die weite Verbreitung des Götterbaums (Ailanthus altissima), der als bevorzugte Wirtspflanze fungiert.
Biologie und Schadpotenzial der Art
Die aus Südasien (u. a. China, Indien und Vietnam) stammende Zikade ist für ihre auffällige Färbung und die charakteristischen Punkte auf den Flügeldecken bekannt. Ihr Schadpotenzial resultiert aus einer massiven Vermehrung, wie sie bereits in Südkorea, Japan und den USA dokumentiert wurde.
Die Schädigung der Pflanzen erfolgt auf zwei Ebenen:
- Direkte Schäden: Sowohl Nymphen als auch adulte Tiere saugen an den Säften der Pflanzen (Stämme, Äste, Blätter), was das Wachstum hemmt und zum Welken oder Absterben von Pflanzenteilen führt.
- Indirekte Schäden: Durch die Ausscheidung von Honigtau wird das Wachstum von Rußtaupilzen gefördert. Diese Pilzschicht auf den Blättern beeinträchtigt die Photosynthese massiv.
Ökologische Bedingungen für eine Ausbreitung
Deutschland bietet aufgrund des Klimas und des breiten Spektrums an Wirtspflanzen ideale Bedingungen für eine Massenvermehrung. Neben dem Götterbaum werden folgende Pflanzen als Wirtspflanzen identifiziert:
- Weinreben (Vitis vinifera)
- Walnuss (Juglans regia)
- Ahornarten (Acer spp.)
- Robinien (Robinia pseudoacacia)
- Weidenarten (Salix spp.)
- Obstgehölze (Apfel- und Steinobstgewächse)
Der einjährige Entwicklungszyklus beschleunigt die Ausbreitung: Nach der Überwinterung im Ei-Stadium schlüpfen im Frühjahr die Nymphen, während im Sommer die adulten, geflügelten Tiere auftreten. Die Weibchen legen Gruppen von 30 bis 50 Eiern ab, die durch einen wachsartigen Überzug vor Umwelteinflüssen geschützt sind.
Verhalten bei Funden
Privatpersonen, die die auffällige Zikade entdecken, werden gebeten, das Insekt einzufangen, gegebenenfalls zu fotografieren und umgehend den zuständigen Pflanzenschutzdienst des jeweiligen Bundeslandes zu informieren. Meldungen können auch direkt an das Julius Kühn-Institut unter pflanzengesundheit@jki.bund.de gerichtet werden.
