Zukunftspfade der maritimen Wirtschaft zwischen Wachstum Wandel und Nachhaltigkeit

Zukunftspfade der maritimen Wirtschaft zwischen Wachstum Wandel und Nachhaltigkeit

Zukunftspfade der maritimen Wirtschaft zwischen Wachstum Wandel und Nachhaltigkeit



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13.10.2026 11:35

Weniger Wachstum, mehr Wandel? ISL-Thesenpapier zeigt Zukunftspfade für die maritime Wirtschaft


Das neue ISL Thesenpapier untersucht, wie sich konventionelles Wachstum, Green Growth und Postwachstum auf Güterströme, Hafenfunktionen und Geschäftsmodelle auswirken könnten. Klimawandel, Dekarbonisierung und veränderte Handelsstrukturen stellen die maritime Wirtschaft vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig entstehen Chancen durch erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft und neue Wertschöpfungsfelder. Das Thesenpapier zeigt, warum flexible Infrastrukturen, diversifizierte Geschäftsmodelle und robuste Strategien entscheidend sind, um auf unterschiedliche Zukunftsszenarien vorbereitet zu sein.

Green Growth und Postwachstum verändern Güterströme, Hafenfunktionen und Geschäftsmodelle – robuste Strategien werden zum Wettbewerbsfaktor.

Die maritime Wirtschaft steht vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Klimawandel, geopolitische Entwicklungen, technologische Innovationen sowie veränderte Handels- und Produktionsstrukturen stellen Häfen, Schifffahrt und hafennahe Industrien vor neue strategische Fragen. Das neue „ISL Thesenpapier 2026 – Transformation der maritimen Wirtschaft“ untersucht, wie sich drei mögliche Entwicklungspfade – konventionelles Wachstum, Green Growth und Postwachstum – auf Güterstrukturen, Hafenaktivitäten und Geschäftsmodelle auswirken könnten. Ziel ist ausdrücklich keine Prognose, sondern eine Szenariobetrachtung, die langfristige Investitions- und Strategieentscheidungen robuster machen soll.

Vier Kernthesen zur Transformation der maritimen Wirtschaft

1. Alternative Transformationspfade verändern die maritime Wirtschaft grundlegend. Die Dekarbonisierung und der Rückgang fossiler Energieträger verändern bestehende Transport- und Wertschöpfungsketten. Gleichzeitig entstehen neue Güterströme und Aufgabenfelder rund um erneuerbare Energien, alternative Kraftstoffe und kritische Rohstoffe. Flüssiger klingt zum Beispiel:
Im Postwachstumsszenario könnten zudem eine stärkere Regionalisierung, „Nearshoring“, also die Verlagerung der Produktion an näher gelegene Standorte, sowie ein geringerer Materialverbrauch die Nachfrage nach transportintensiven Gütern dämpfen.

2. Die maritime Wirtschaft ist strukturell vom Wachstum des Welthandels abhängig.

Viele Erlösmodelle von Reedereien, Häfen, Terminalbetreibern und Logistikdienstleistern sind unmittelbar an Transport-, Umschlag- und Lagermengen gekoppelt. Hinzu kommen kapitalintensive Infrastrukturen, die hohe Auslastungsgrade benötigen. Verändern sich Handelsvolumina, Transportdistanzen oder Güterstrukturen dauerhaft, steigt damit auch das Risiko von Überkapazitäten und Fehlinvestitionen.

3. Wertschöpfung verschiebt sich von Transportvolumen hin zu neuen Geschäftsmodellen.

Künftige Wettbewerbsfähigkeit dürfte weniger allein von steigenden Umschlagsmengen abhängen. Chancen entstehen etwa durch Häfen als Energie- und Industriehubs, Kreislaufwirtschaft und Recycling, Rückführungslogistik, die Verarbeitung kritischer Rohstoffe sowie spezialisierte Dienstleistungen für hochwertige und komplexe Güter. Entscheidend wird, neue Wertschöpfungsfelder aktiv zu erschließen.

4. Die größte strategische Gefahr ist eine unzureichende Vorbereitung auf unterschiedliche Zukunftsszenarien.

Maritime Infrastrukturen haben lange Lebenszyklen und binden viel Kapital. Investitionen ausschließlich auf der Annahme dauerhaft wachsender Güterströme aufzubauen, kann deshalb zum Risiko werden. Gefragt sind flexible und robuste Strategien, die unter unterschiedlichen Entwicklungen tragfähig bleiben, Risiken begrenzen und zugleich neue Geschäftsfelder ermöglichen.

Prof. Dr. Burkhard Lemper, ISL: „Die derzeit extremen Niedrigwasserstände in Deutschland und anderen Teilen der Welt – und die Tatsache, dass Häufigkeit und Intensität solcher Ereignisse zunehmen – führen uns sehr deutlich vor Augen, dass auch maritime Transportketten und mit ihnen die Wirtschaft insgesamt in bestimmten Bereichen an natürliche Grenzen des Wachstums stoßen können. Das sollte uns dazu bewegen, auch alternative Entwicklungspfade jenseits eines stetigen Wirtschaftswachstums und deren mögliche Auswirkungen auf die maritime Logistik in den Blick zu nehmen.“

Drei Zukunftspfade – keine Prognose

Die qualitative Szenarioanalyse stellt konventionelles Wachstum, Green Growth und Postwachstum gegenüber. Im Green-Growth-Szenario bleibt wirtschaftliches Wachstum das zentrale Ziel, während Dekarbonisierung, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft die Zusammensetzung der Handelsströme verändern. Das Postwachstumsszenario geht zusätzlich von einem geringeren Material- und Energieverbrauch sowie stärker regionalisierten Wertschöpfungsketten aus. Besonders betroffen wären in beiden Nachhaltigkeitspfaden fossil geprägte Flüssig- und Massengutverkehre; zugleich gewinnen Projektladungen für die Energiewende, alternative Energieträger und neue hafennahe Industrien an Bedeutung.

Die zentrale Botschaft des Thesenpapiers: Häfen, Schifffahrt und Logistik sollten sich nicht auf einen einzigen erwarteten Wachstumspfad festlegen. Infrastruktur muss an neue Energieträger anpassbar sein, Geschäftsmodelle sollten diversifiziert und Wertschöpfung stärker von reinen Umschlagsmengen entkoppelt werden. Die frühzeitige Berücksichtigung verschiedener Entwicklungspfade kann damit selbst zu einem Wettbewerbsfaktor werden.

Weitere Informationen zum ISL: www.isl.org

Downlaod des Thesenpapiers: https://www.isl.org/sites/default/files/thesenpapiere/ISL%20Thesenpapier%202026%…


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Johannes Schmidt
E-Mail: schmidt@isl.org
Tel.: +49 421 22096-46


Originalpublikation:

© Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik ISL


Bilder

Zwischen Wachstum und Postwachstum

Zwischen Wachstum und Postwachstum


Anhang


Merkmale dieser Pressemitteilung:

Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
Umwelt / Ökologie, Verkehr / Transport, Wirtschaft
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch