Soziale und institutionelle Hürden begrenzen das Potenzial der weltweiten Aufforstung

Soziale und institutionelle Hürden begrenzen das Potenzial der weltweiten Aufforstung

Soziale und institutionelle Barrieren limitieren das Potenzial der globalen Aufforstung

Die Ausweitung von Waldflächen gilt als zentrales Instrument im Kampf gegen den Klimawandel. Durch Aufforstungs- und Wiederaufforstungsmaßnahmen konnte die globale Waldfläche bereits um mehr als 300 Millionen Hektar vergrößert werden. In der vergangenen Dekade führte dies zu einer jährlichen CO₂-Bindung von etwa 2,2 Milliarden Tonnen – eine Menge, die annähernd den fossilen Emissionen der gesamten Europäischen Union entspricht. Dennoch verdeutlicht eine aktuelle Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), dass die Umsetzung dieser Maßnahmen weltweit an massiven gesellschaftlichen und strukturellen Hürden scheitern kann.

Einschränkungen des CO₂-Bindungspotenzials

Laut einer im Fachmagazin One Earth veröffentlichten Untersuchung unter der Leitung des LMU-Geographen Wenkai Bao sind rund 75 % des geschätzten globalen Potenzials zur CO₂-Speicherung durch neue Wälder durch soziale und institutionelle Faktoren limitiert. Die Forscher kombinierten hierfür Fallstudien mit Machine-Learning-Analysen globaler Datensätze, um die Auswirkungen sozioökonomischer Rahmenbedingungen auf die Forstwirtschaft zu bewerten.

Die Studie identifiziert folgende primäre Hindernisse:

  • Hohe Armut und mangelnde Ernährungssicherheit
  • Unsichere Landnutzungsrechte
  • Schwache administrative und staatliche Strukturen
  • Mangelhafte forstwirtschaftliche Infrastruktur
  • Fehlende Unterstützung durch lokale Bevölkerungsgruppen

Während die Umsetzung von Aufforstungsprojekten in Europa und China vergleichsweise reibungslos verläuft, sind die Herausforderungen in Regionen wie Afrika, Indien und Brasilien signifikant höher. Da sich ein Großteil des globalen CO₂-Bindungspotenzials in diesen tropischen Gebieten befindet, besteht ein hohes Risiko für das Scheitern der Klimaschutzbemühungen.

Notwendigkeit integrierter Klimastrategien

Wissenschaftler betonen, dass rein ökologische Ansätze nicht ausreichen. Um Konflikte zu vermeiden und die langfristige Bindung von Kohlenstoff zu sichern, müssen Klimastrategien zwingend soziale und institutionelle Maßnahmen integrieren. Werden die Lebensgrundlagen und Rechte der lokalen Bevölkerung ignoriert, drohen nicht nur das Absterben der neu gepflanzten Wälder, sondern auch soziale Instabilität und eine Verringerung der effektiven CO₂-Entnahme.

Julia Pongratz, Professorin für Physische Geographie und Landnutzungssysteme an der LMU, unterstreicht die Dringlichkeit: Bis zum Jahr 2050 muss die Menge des aus der Atmosphäre entfernten CO₂ mindestens verdreifacht werden. Die Waldflächenerweiterung wird dabei eine Schlüsselrolle spielen, ergänzt durch technologische Lösungen zur CO₂-Entfernung. Dennoch müsse betont werden, dass die Aufforstung lediglich eine Ergänzung zu umfassenderen Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsstrategien darstellt und keinen Ersatz für die Reduktion von Emissionen bietet.